• Kreis- und Stadtrat Albert Riedelsheimer begrüßte den Präsidenten des Europäischen Berufsimkerverbandes, Walter Haefeker, in der Wallfahrtsgaststätte Wemding. Foto: Werner Waimann

"Die europäische Agrarpolitik wird nicht für Landwirte gemacht" - Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes sprach in Wemding

21. Mai. 2017 –

Wemding (pm) Auf Einladung der Landkreis-Grünen referierte Walter Haefeker in Wemding vor rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern über die europäische Agrarpolitik. Der hochkarätige Referent ist Bioimker aus Leidenschaft und weltweit für den Schutz der Bienen und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft unterwegs. Haefeker wird auch als gefragter Berater für wichtige Gerichtsentscheidungen zu Pflanzenschutzmitteln herangezogen und ist Vorstandsmitglied im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) und Präsident des europäischen Berufsimkerverbandes. Außerdem ist er Koordinator der Arbeitsgruppe Gentechnik im Weltimkerverband Apimondia. Er beeindruckte mit großem Wissen und zeigte mit zahlreichen Fakten Zusammenhänge und Fehlentwicklungen in der Agrarpolitik auf. Das massive Artensterben von Bienen über Vögel bis zu Niederwild ist nur eine Negativleistung im Naturhaushalt, die vor allem der Intensivierung der Agrarproduktion geschulden ist. Auch bedroht ist die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Um kostendeckend zu arbeiten, versuchen zunehmend mehr Landwirtinnen und Landwirte aus den immer größer werdenden Anbauflächen noch höhere Erträge zu erwirtschaften. Viele setzen nach den Empfehlungen von Bayer, Monsanto, Syngenta und Co. auf flächendecken ausgebrachte künstlicher Dünge- und Pflanzenschutzmittel, schilderte Haefeker. Profit machen hierdurch vor allem die Agrarkonzerne. Auch Europa sichert sich mit niedrigen Lebensmittelpreisen und teils niedrigen Löhnen seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem globalen Norden. Die Grünen dagegen fordern eine gerechte Globalisierung. Weiter ging Haefeker auf kleine Landwirtschaftsbetriebe ein. Diese schauen ebenfalls in die Röhre, da eine Überproduktion von 5% fallende Erzeugerpreise für Lebensmittel von 15-20% zur Folge hat, was eine amerikanische Studie belegt. Dabei ist die Landwirtschaft immer mehr von den Zahlungen je Hektar aus der 1. Säule der EU-Agrarsubventionen abhängig, um mit dem Weltmarktpreis mitzuhalten und deutsches Fleisch in Drittländer exportieren zu können. Das benötigte Eiweiß zur Tiermast wird andererseits importiert und ist meist genverändertes Soja aus Brasilien oder anderen Anbauländern. Die negativen Folgen auf die Umwelt und das Erdklima sind hinreichend bekannt. Dem deutschen Fleisch in der Wurst- oder Fleischtheke sieht man die globalen Auswirkungen nicht an, da es nicht deklariert werden muss. Daher fordert Haefeker die Erhöhung der 2. Säule der EU-Agrarsubventionen von 4,5% auf 6% für die Förderung der ländlichen Entwicklung, für Tierwohl-Initiativen sowie Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. Deutsche Bio-Verbände, die Energie- und Wasserwirtschaft und sämtliche Naturschutzverbände, sowie die meisten Ländern mit Grüner Regierungsbeteiligung teilen diese Forderung. Jedoch wird sie von Bayern, Sachsen, Brandenburg und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt abgelehnt. In Zukunft, so Walter Haefeker, muss eine Revolution in der Landwirtschaft stattfinden. Er fordert eine weitgehende Abkehr vom chemischen hin zu einem digitalen Pflanzenschutz und fahrenden Robotern auf den Feldern. Diese könnten beispielsweise ganz gezielt Pflanzen oder Schädlinge erkennen und mechanisch entfernen. Zudem weißt er darauf hin, dass neue Technologien bereits heute einsatzfähig sind und Verluste bei Bienen und anderen gefährteten Arten verringern helfen. Beispielhaft erwähnt er Mähtechniken, wie z. B. den Alpenschmetterling, und Spritzverfahren, wie das Drop-Leg System, mit welchem Pflanzen von unten statt von oben besprüht werden. Herr Walter Haefeker hat in einem sehr aufschlussreichen und spannenden Vortrag klar gemacht, dass die Zukunft der Imkerei eng verbunden mit der Zukunft der bäuerlichen Betriebe ist. "Agrarpolitik ist immer auch Bienenpolitik!", schloss Haefeker.

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