Nördlingen auf dem Weg zur Ökostadt?

Ökostrom: Antrag von Grüne und Frauenliste mit Mehrheit im Stadtrat

30. Dez. 2009 –

"Wir sind sehr froh, dass unserem Antrag für 100%-igen Ökostrombezug im Oktober diesen Jahres mehrheitlich zugestimmt wurde", fassen Sonja Dürr und Wolfgang Goschenhofer das Ergebnis der Abstimmung zusammen. "Nachdem die EU-weite Ausschreibung auf 50%-igen Ökostrom ausgelegt war, haben wir uns entschlossen, den Mehrpreis für die Stadt in Erfahrung zu bringen". Nachdem dieser Betrag bei ca. 4.000.- EUR lag sei klar gewesen, einen entsprechenden Versuch im Stadtrat zu starten und die 100%-ige Ökostromlieferung als Antrag einzubringen.

"Die Stadt Nördlingen zusammen mit den Stadtwerken entlasten damit die Umwelt mit über 2.500 Tonnen CO2 und ca. 4 kg radioaktivem Abfall" so der Grünen-Stadtrat Wolfgang Goschenhofer. "Die Stadt wird damit Ihrer Rolle als Vorbildfunktion mehr als gerecht. Wir hoffen auf viele Nachahmer sowohl auf privater als auch auf gewerblicher Seite".

Wichtig sei den beiden Stadträten gewesen, dass beim Ökostrombezug kein so genanntes "RECS-Zertifikat" eingekauft wird. Damit würde einfach Atomstrom zu Ökostrom umdeklariert. Sonja Dürr: "Darauf sind schon viele Strombezieher hereingefallen. Das wollten wir auf jeden Fall verhindern und haben deshalb im Vorfeld der Verhandlungen mit der EnBW darauf hingewiesen, dass dies auf jeden Fall zu vermeiden ist". Die EnBW hat schließlich zugesagt, den Ökostrom aus eigenen Wasserkraftwerken aus Baden-Württemberg physisch dem Strombedarf entsprechend zeitgleich zu liefern. Diese tatsächliche physische Herkunft des Stroms garantiert EnBW.

Einziger Wermutstropfen sei, so machen die beiden Stadträte deutlich, dass die Stromerzeugung nicht von durch das Erneuerbare Energiengesetz geförderten Anlagen stammt. Aber das könne sich nach Ablauf des Vertrages bei der Neuverhandlung ändern.

Das Positive dabei wäre: Würden noch mehr Kommunen dem Beispiel Nördlingens folgen, wäre die Nachfrage nach Ökostrom größer als das Angebot, so dass die Energieversorger noch mehr in Erneuerbare Energien investieren würden und sich damit automatisch der Anteil an Atom- und Kohlestrom noch weiter verringert. Damit würden die Verbraucher den Weg in eine klimafreundliche und atomfreie Zukunft bedeutend mitentscheiden. Wolfgang Goschenhofer betonte gegenüber den RN, dass die Stadt Nördlingen somit auf dem richtigen Weg sei: "Wir denken dabei auch an die CO2-neutrale Energieversorgung mit Hackschnitzel für das Hallenbad/Mehrzweckhalle und das Schulzentrum an der Squindostraße, ebenso wie an die Pelletheizung für die Turnhalle in Löpsingen". Allerdings gäbe es bei Energieeinsparung und energetischen Maßnahmen städtischer Liegenschaften weiterhin verstärkt Handlungsbedarf.


Die Abstimmungen im Stadtrat erfolgten nicht einstimmig: "Leider hat die CSU dagegen gestimmt." so Sonja Dürr abschließend.

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